Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Reiz, aber der Spätsommer im Gemüsegarten ist ein ganz besonderer Höhepunkt. Der Garten ist vollgestopft mit leckeren Sachen: so viel zu ernten, einzumachen und für den Winter aufzubewahren … und die Farben sind voll, reif und warm. Der Anblick dieser natürlichen Pracht und Fülle gibt jedem Gärtner oder jeder Gärtnerin ein enormes Gefühl von Ruhe und Genugtuung.
In diesem Artikel gehen wir die Arbeiten im Gemüsegarten von August bis Ende Oktober durch.
AUGUST
Der Beginn des Augusts ist wie ein zweiter Frühling im Gemüsegarten. Es wird gesät und gepflanzt, dass es eine wahre Freude ist – so sichern wir uns auch in den kommenden Wintermonaten unsere tägliche Portion frisches Gemüse.
Die großen Frühbeete im Feigenhof werden fast vollständig neu bepflanzt. Mit einer Pflanzschnur säen wir Salatkräuter und Blattgemüse in kurzen Reihen: Rucola, Blattsenf, Hirschhornwegerich, Endivie (Altijd Witte), Kresse, Koriander, Dill und Radieschen; sowie einen großen Anteil an Kerbel und Winterportulak.
Wir säen auch – um in wenigen Wochen zu pikieren – Kohlsorten: den letzten Herbstblumenkohl, Chinakohl und Pak Choi; und Winterblumenkohl für eine Ernte im frühen Frühjahr.
Und daneben Reihen Kopfsalat, Eisberg, Zuckerhut, glatte Endivie (die hier stets skarol genannt werden) und die italienischen überwinternden Endiviensorten mit klangvollen Namen wie Cabello di Angel, Rosso di Verona oder Variegata di Chioggia.
Im Gemüsegarten werden die Parzellen von Zwiebel, Schalotte und Frühkartoffel gerodet, um bis Mitte August Platz zu machen für Reihen von Feldsalat (de Cambrai), kleine Speiserüben, schwarzer Rettich und Spinat (Winterreuzen) – und ein letztes Mal Prinzessbohnen. Wirsing und Rosenkohl sind im besten Fall bereits vor Ende Juli gepflanzt.
In der zweiten Monatshälfte wird der letzte Winterlauch gesetzt. Die Freilandtomaten werden geköpft und von ihren Blättern befreit. Die Erdbeerreihen, die erhalten bleiben, werden ausgedünnt und maschinell gemäht. Die ältesten Reihen werden gerodet – und wir sammeln die jungen Ableger, um damit eine neue Erdbeerreihe anzulegen.
SEPTEMBER
September beginnt mit der Ernte von Birnen und Äpfeln in den Streuobstgärten. Während im Gemüsegarten Weißkohl (Filderkraut) geerntet für die Zubereitung von Sauerkraut, Tomaten di Napoli für die Passata, Basilikum für Pesto und Herbsthimbeeren, Feigen und Aprikosen für Konfitüre oder Einweckglas.
Das Blattgemüse für den Herbst – der Kopfsalat, der Zuckerhut, die Endivie und der Chicorée – stehen in den Frühbeeten bereit, um verpflanzt zu werden. Sie werden im Beet oder im Freiland pikiert – benötigen jedoch bei Nachtfrost einigen Schutz.
Bitte berücksichtige, dass Mitte Oktober das Wachstum fast vollständig zum Erliegen kommt – die Anzahl der Lichtstunden sinkt unter zehn Stunden pro Tag – und erst im März des nächsten Jahres setzt sich der Wachstumsprozess in den Pflanzen fort. Was du im Winter oder im frühen Frühjahr ernten möchtest, sollte also im Idealfall ausgewachsen in den Monat Oktober gehen.
Dies gilt insbesondere für den überwinternden Blumenkohl, die Sprossenkohlarten und den Wirsing. Sehr zu empfehlen ist der für viele noch unbekannte Winterbroccoli ( Brokkoli-Röschen ) – mit etwas Schutz liefert er schon im März reichlich kleine, schmackhafte Knospen an langen Stielen.
Tipp für Anfänger: Täuschen Sie sich nicht bei der Wahl des Wirsings. Die blonden oder hellgrünen Sorten sind für den Sommeranbau bestimmt und frieren beim ersten Frost ein. Wählen Sie einen geschlossenen Kopf mit einer bläulich-grünen Farbe – was auf Winterhärte hinweist.
Bereits Mitte September wird ein Drittel des Chicorées gerodet und in einem der flachen Beete für eine erste Ernte im Dezember eingeschlagen. Es ist nützlich, den Chicorée in Teilen zu roden. Gestaffeltes Roden ergibt eine gestaffelte Ernte.
GEBLEICHTER LÖWENZAHN
Auch der zum Bleichen angebaute Löwenzahn, der dem wilden Löwenzahn am nächsten steht, kann so behandelt werden. Die beste Ernte für die folgenden Monate erzielt man, wenn man ihn im Juni direkt ins Frühbeet sät, im September zurückschneidet und den Kasten anschließend mit Platten abdunkelt.
Ende des Monats wird der Staudensellerie zusammengebunden und angehäufelt und je nach Sorte wird auch Endivie unter Töpfen gebleicht. Cardy, der Champion unter den Blattgemüsen, lassen wir noch gut einen Monat im Freiland weiterwachsen und wird im Oktober wieder zur Sprache kommen.
Chicorée
Das erste Chicorée wird ab September geerntet. Mit einer Grabgabel werden die Wurzeln herausgeholt und in langen Reihen ausgelegt. Dann wird das Laub abgeschnitten, ein bis zwei Zentimeter über der Wurzel. Hierbei ist es wichtig, dass der Wachstumspunkt intakt bleibt. Zur Arbeitserleichterung werden die Chicoréewurzeln auch unten beschnitten, bis sie ungefähr alle von derselben Länge sind. Beschädigte Teile werden ebenfalls abgeschnitten.
Das Einschlagen der Chicoréewurzeln zum Treiben erfordert etwas Vorbereitung. Zu Hause können Sie die Wurzeln in einen Eimer oder einen Behälter mit grobem Sand in einen dunklen Keller stellen. In Hex schlagen wir sie wegen der großen Mengen in den Frühbeeten des Anzuchtgartens ein. Dafür heben wir zunächst die Erde aus den Kästen bis zu einer Tiefe von etwa vierzig Zentimetern aus. Die Wurzeln werden am Rand der Grube ordentlich nebeneinander in eine Reihe gestellt. An jede Reihe geben wir eine Schaufel Sand, bevor wir mit der nächsten beginnen.
Zum Treiben eingeschlagener Chicorée ist anfällig für Schleimfäule. Deshalb gießen wir anschließend alles leicht mit einer Lösung aus Schachtelhalmextrakt (Equisetum) und wir streuen Algenkalk über die abgeschnittenen Köpfe des Chicons, wonach der gesamte Stapel unter einer Schicht von gut zehn Zentimetern trockenem, losen Boden verschwindet. Sollte Ihre Arbeit durch einen Regenschauer unterbrochen werden, wird Ihnen empfohlen, die Erde, die Sie aus der Grube geschaufelt haben (und die Sie somit als Deckerde verwenden werden), trocken zu halten, indem Sie sie mit einer Plane abdecken.
Chicorée kann frieren, deshalb legen wir oben auf die Deckschicht noch eine ordentliche Schicht loses Stroh. Auch die gesamte Umgebung der Grube wird mit reichlich Stroh ausgekleidet und über dieses gesamte Bauwerk kommen Wellplatten, um alles trocken zu halten.
Es dauert im Durchschnitt dreizehn Wochen, bis der erste Chicorée geerntet werden kann. Von einer Partie kann oft mehrere Monate lang geerntet werden, aber um besonders früh und, wenn es gelingt, auch noch bis zu den Ostern des nächsten Jahres Chicorée zu ernten, ist es daher ratsam, in mindestens zwei verschiedenen Partien zu arbeiten.

OKTOBER
Mit dem Monat Oktober lauert der Winter bereits um die Ecke. Der Oktober steht ganz im Zeichen der Ernte. Vor dem Fest von Allerheiligen (1. November) wollen wir all unser Lagergemüse sicher in den Kellern liegen haben.
Erstens pflücken wir alle Tomaten – auch die grünen – und lassen sie in flachen Kisten drinnen nachreifen. Sonne oder Licht benötigen sie dafür nicht – allein die Wärme reicht aus, um die letzten Früchte rot werden zu lassen.

Die Kürbisse werden nicht geerntet, bis die Stängel der Früchte Anzeichen einer Reifung zeigen: Die Stängel verfärben sich, schrumpfen und verholzen. Gehen Sie jedoch nicht das Risiko ein, dass ein unvorhergesehener Frost über Ihre Kürbisse zieht, denn sobald die Schale gefroren ist, sind sie nicht mehr haltbar.
Solange das Wetter es uns erlaubt, machen wir in stetigem Tempo mit dem Einbringen der Ernte weiter: Kartoffel, Möhre, Pastinake, Bete, Rübe, Rettich, Schwarzwurzel, Petersilienwurzel, Knollenkerbel, Knollensellerie und Kopfkohl werden ohne Zögern in den Gemüsekeller umgezogen, um dort in Kisten mit scharfem Sand eingeschlagen, ausgepflanzt oder aufgehängt zu werden.
Der Lauch bleibt im Garten zurück, aber um ihn auch in Zeiten anhaltenden Frosts ernten zu können, wird die Erde zwischen den Reihen mit einer Schicht Herbstlaub bedeckt.
Die Stangenbohnen werden schon mal aus der Erde gezogen
um schneller zu trocknen. Die Pflanzen der kleinen Trockenbohne „Flageolet“ werden mit einer Schnur zusammengebunden und zusammen mit Zwiebeln und Schalotten unter dem Dachvorsprung des Schuppens zum Trocknen aufgehängt.
Je nach Wetterentwicklung werden die Frühbeete Mitte oder Ende Oktober mit Glas abgedeckt – und in einem späteren Stadium mit Schilfmatten, um die Kälte abzuhalten. So sind wir den ganzen Winter über mit täglich frischem Grün und kleinen frischen Köstlichkeiten versorgt.
Kardone
Schließlich werden die großen Pflanzen der Cardy für den Transport in den Keller vorbereitet. Nach dem Entfernen der unteren Blätter und dem Zusammenbinden der übrigen zu einem festen Bündel wird die Pflanze samt Wurzelballen ausgegraben, um im hintersten Keller in völliger Dunkelheit wieder eingepflanzt zu werden. Die erste Cardy – die gebleichten Blattstiele werden gegessen – wird um Weihnachten herum geerntet.

Gemüsekeller
In früheren Zeiten besaß jedes Schloss und jede Abtei einen Gemüsekeller. Es ist sozusagen die ‘Kühlschrank’der vorindustriellen Zeit und wir sehen in den letzten Jahren ein steigendes Interesse an dem Konzept – und auch modernen Anwendungen.
Der gewölbte Gemüsekeller von Hex ist wahrscheinlich der letzte seiner Art, der noch immer in Gebrauch ist. Im Herbst zieht die Ernte traditionell aus dem Gemüsegarten zur Aufbewahrung in den Keller um. Einige Gemüse werden mit Wurzelballen eingegraben, während andere in scharfen Sand gestapelt oder an den Gewölben aufgehängt werden.
Während es draußen wintert, bleiben im Lagerkeller das Gemüse frisch und bis in den späten Frühling für die Küche verfügbar.
Die idealen Bedingungen für einen Lagerkeller sind: frei von Licht und frostfrei; eine stabile Umgebung ohne große Temperaturschwankungen (ab einem Meter unter der Erde ist es das ganze Jahr über zwischen 10 und 14 Grad) und eine recht hohe Luftfeuchtigkeit – bei gleichzeitiger Möglichkeit, ab und zu gut zu lüften.
Ein Gemüselagerkeller sollte keinen Betonboden, sondern einen Erdboden haben – genau wie ein guter Weinkeller.
November
Im Monat November beginnen wir damit, den Gemüsegarten winterfest zu machen. Je nachdem, wie die Beete frei werden, werden sie mit einer Schicht aus Herbstblättern abgedeckt, die auf den Wegen und Rasenflächen gesammelt werden. Das Abdecken der bloßen Erde schützt das Bodenleben vor der Kälte und verhindert, dass die Erde durch den Regen verschlämmt wird. Es versorgt die Würmer mit ausreichend Nahrung und sorgt dafür, dass Sie im Frühjahr, wenn Sie die Beete wieder freilegen, ohne Unkrautjäten wieder loslegen können.
Stützstäbe, Pfähle und Bohnenstangen werden eingesammelt und weggeräumt; und während wir so den Gemüsegarten abbauen, notieren wir noch einmal auf einem Plan, welche Kulturen auf jedem Beet standen.
Dezember
Danach geht der Gemüsegarten zum größten Teil bis März des nächsten Jahres in die Ruhephase. Wir betreten nur noch die verbleibenden Winterbeete, wo wir wöchentlich noch Feldsalat, Spinat, Lauch und den übrig gebliebenen Endivien ernten.
Mit Wirsing und Rosenkohl beginnen wir erst zu ernten, nachdem es zum ersten Mal richtig gefroren hat. Sobald die Temperatur unter den Gefrierpunkt sinkt, wird nämlich die in den Kohlköpfen vorhandene Stärke in Zucker umgewandelt – was sie deutlich schmackhafter macht. Wurzel- und Knollengewächse holen wir aus dem Lagerkeller und frische Salate, gebleichten Löwenzahn und Chicorée finden wir den ganzen Winter über in den Frühbeeten.
Text und Fotos: Gust Duchamps
außer Foto Birnen und Foto Mangold: Jason Ingram
https://www.jasoningram.co.uk/gardens/kasteel-hex-kitchen-garden/






