Die Geschichte von Hex war immer eine Geschichte von Rosen: von den ältesten Rosensorten, die Fürstbischof de Velbrück im 18. Jahrhundert durch die Vereinigte Ostindien-Kompagnie aus China importieren ließ, über die Sammlung alter und besonderer Rosen, die Gräfin Nanda d’Ursel zusammentrug, bis hin zu den neuesten Kreationen der weltberühmten Rosenzüchter von heute. Im letzten halben Jahrhundert ist die Rosensammlung von Schloss Hex ständig erweitert worden. Es stehen schätzungsweise 1400 Rosen verteilt in den Gärten, wovon etwa 500 verschiedene Sorten. Die Rosen sind vorhanden in formalen Beeten und in den gemischten Beeten, als große Solitäre, oder wachsen über die Zäune, werfen sich über die Balustrade und klettern zwischen den Mauern und den Bäumen…..

EIN WERK VON GENERATIONEN
Die Kartierung der historischen Rosen von Schloss Hex wurde mit leidenschaftlicher Aufmerksamkeit und Hingabe von der verstorbenen Gräfin Nanda d’Ursel durchgeführt. Sie fertigte Skizzen an und beschrieb die außergewöhnlichsten Rosen ausführlich in ihrem Gartenheft. Später traf die Gräfin Edith Dasnoy, die zusammen mit ihr Aquarelle der schönsten Arten anfertigte. Gemeinsam veröffentlichten sie das Buch “Rosen aus den Gärten von Hex” (1995). Das Buch ist immer noch käuflich zu erwerben (während der Gartentage am Stand von Hex).

EINE GESCHICHTE DER ROSEN
Wildrosen kommen auf der gesamten Nordhalbkugel vor, vom Polargebiet bis Nordafrika, von den amerikanischen Ebenen und New Mexico bis zum Jemen, Thailand, Südindien und China. In den Regionen Westeuropas sind Arten der Hunds-Rose und der Wein-Rose heimisch – etwa dreißig Arten –, aber weltweiten sind über 200 wilde Rosenarten bekannt. Auf der Blumenwiese finden Sie die wilden Rosenarten wieder, die für die Flora der Region Limburg und Brabant charakteristisch sind.

Über die Gärten von Hex verteilt wachsen außerdem zahlreiche wilde Exoten. In der Nähe des Feigenhofs stehen einige Arten der chinesischen Rosa banksiae, und die Arten der schottischen Rosa pimpinellifolia stehen in einer Reihe hinter dem Tennisplatz. In der Nähe steht auch die Rosa sericea pteracantha mit ihren auffälligen geflügelten Dornen, die aus Nepal stammt. An der Tür des Gemüsekellers steht Rosa Mutabilis. Weiter entfernt Rosa roxburgii – beide ebenfalls aus China importiert. Hie und da sieht man Kletterpflanzen botanischen Ursprungs an den Gartenzäunen, an den Mauern oder in den Bäumen klettern: Rosa arvensis, Rosa multiflora, Rosa filipes ‘Kiftsgate’ und den beeindruckenden Paul’s Himalayan Musk an der Vorderseite des Schlosses.
Die botanischen Arten sind mit ihren wilden Büscheln und ihrer üppigen Blüte an Charme und Schönheit kaum zu übertreffen. Aber dank der jahrhundertelangen Kultur der Rose, ihres Austauschs zwischen den Regionen und Kontinenten und der zahlreichen Kreuzungen, die dies mit sich brachte, kennen wir heute eine fast unzählbare Anzahl von Rosen in allen möglichen Variationen.
Es ist schwer zu sagen, wann die Französische Rose (Rosa gallica) erstmals in unseren Regionen eingeführt wurde. Sie kommt von Natur aus in Frankreich und weiter östlich in Südeuropa bis in die Türkei vor. In ihrer langen Kulturgeschichte sind von der Gallischen Rose zahlreiche Variationen entstanden. Sie sind alle rosa, feuerrot bis tiefviolett, sie blühen nur einmal im Jahr,
aber sie sind wegen ihres besonderen Parfums sehr beliebt. In den Gärten von Hex sehen wir, neben der ursprünglichen Wildform, einige Dutzend der schönsten Gallica-Rosen gesammelt, darunter Tricolor de Flandres, De la Maître d’Ecole, Alain Blanchard, Charles de Mills und viele andere.
Die weiße oder zartrosa Alba-Rose wurde wahrscheinlich bereits bei den Griechen und den Alten Römern kultiviert. Es handelt sich um eine Kreuzung einer der Hundsrosen mit einer Gallica- oder möglicherweise einer Damaszener-Rose. Die Wuchsform der Albas ist anders als die der Gallicas. Sie bilden lange, biegsame Zweige, die übrigens wenig Dornen haben. Die Blätter haben einen bläulichen Schimmer und die Blüten riechen süß. Die schönsten Exemplare, vertreten in Hex, sind Celestial, Königin von Dänemark oder Great Maiden’s Blush (früher auch ‘Cuisse de Nymphe’ genannt). Sie kennen nur eine Blüte im Jahr. Die Albas sind zusammen mit den Gallicas größtenteils unten im Gemüsegarten gruppiert, in der langen Rabatte, die sich neben der Schafweide vom Gewächshaus bis zum alten Brunnen erstreckt.
Eine dritte alte Rosenfamilie ist die Gruppe der Damaszenerrosen. Es sind Kreuzungen der Rosa gallica mit anderen wilden Arten aus dem Mittelmeerraum wie Rosa phoenicea oder Rosa moschata. Die Herbst-Damaszenerrose ist besonders, weil sie als erste im Spätsommer eine zweite Blüte hat. Die Damaszenerrosen sind deutlich weniger winterhart als die Gallicas. Sie wachsen hoch und tragen lockere Büschel großer, duftender Blüten in Rot, Weiß oder Rosa.
Die Zentifolie oder Provence-Rose wurde erst im 16. Jahrhundert aus einer Kreuzung einer Herbst-Damaszener mit einer Rosa Alba geboren. Die Gruppe war lange Zeit steril und wurde durch Stecklinge vermehrt, bis im 19. Jahrhundert eine fertile Art entstand, mit der weitergekreuzt werden konnte. Neben der ursprünglichen Centifolia finden wir im Garten von Hex noch Petite de Hollande und Pompon de Bourgogne. Die Rosenstöcke der Centifolia-Familie zeichnen sich durch ihre dicken gefüllten Blüten aus, die leicht geschlossen sind – weshalb sie in England auch Cabbage Rose genannt werden –. Andere Namen für diese Rose sind Holländische Rose oder Rose de Peintre, wegen ihres Erfolgs bei den holländischen Meistern des 17. Jahrhunderts.
Die Zentifolien-Moosrosen sind als spontane Mutation aus normalen Zentifolienrosen entstanden. Die erste wird im Jahr 1720 erwähnt. Die Zentifolien-Moosrose zeichnet sich durch das Vorhandensein zahlreicher duftender Drüsenhaare an den Blütenstielen aus. Der Wuchs ist etwas starr, aber das wird durch den besonderen Charakter der Blüte wettgemacht. Die Rosen sind sehr aromatisch und die Farben sind tiefviolett oder dramatisch dunkel. Hinter der Doppelreihe von Pfingstrosen im Gemüsegarten befinden sich William Lobb, Nuits de Young, Tuscany Superb und etwa ein Dutzend weitere Vertreter dieser Familie.
In China werden seit Jahrhunderten Rosen gezüchtet und zu neuen Kultivaren gekreuzt. Die ersten Chinesische Rosen kamen in unseren Regionen im Jahr 1792 an. Die Rosa chinensis multipetala, die noch immer auf dem Fürstenhof steht, ist eine der ersten, die von der Vereinigten Ostindischen Kompanie aus China transportiert wurden – der Überlieferung nach auf speziellen Wunsch von Fürstbischof de Velbrück. Darüber hinaus findet man aus jener Zeit auch noch Rosa indica rubra und eine ‘Old Blush’ auf dem Fürstenhof wieder.
Auf der Insel Bourbon, einem wichtigen Ankerplatz für die Handelsschiffe – auf halbem Weg auf der Route zwischen Europa und dem fernen Osten, trafen im 17. Jahrhundert Mitglieder der Familie der Herbst-Damaszenerrose auf die Chinesische Rose (Rosa chinensis). Aus den notwendigen Kreuzungen, die daraus hervorgingen, entstand die Bourbon-Rose, die später durch Kreuzungen mit Gallica- und Damaszener-Hybriden veredelt wurde. Die Familie der Bourbon-Rosen zeichnet sich durch einen guten Nachblühen im Spätsommer aus. Die Blüten sind oft halbgefüllt und hellrosa. Im Garten von Hex findet man sie hauptsächlich in der Nähe des Tennisplatzes versammelt: Mme. Isaac Pereire, Louise Odier, La reine Victoria und andere.
Die Teerose (Rosa odorata) ist eine chinesische Rose, die in China bereits seit langem in Kultur war. Sie wird Teerose genannt, da die Blüte leicht nach Tee riecht. Kreuzungen der Teerose mit Noisette- und Bourbonrosen ergaben eine ganz neue Familie von öfterblühenden Edelrosen, die man heutzutage vor allem als Schnittrose kennt. Sie stehen in Hex hauptsächlich in den Beeten am Gewächshaus.
Beim Gewächshaus stehen auch die Rosen des englischen Rosenzüchters David Austin. Er hat es geschafft, das Beste aus zwei Familien zu vereinen.
Das romantische Erscheinungsbild und der Duft der alten Gallica-, Alba-, Centifolia- und Bourbonrosen mit dem nachblühenden Charakter der modernen Teehybriden.
Louis Lens, belgischer Baumschulbesitzer und Rosenzüchter, war ein guter Freund der verstorbenen Gräfin Nanda d’Ursel. Lens schlug eine völlig neue Richtung ein, indem er Rosen für Grünflächen und Parkanlagen züchtete. Seine Moschata-Hybriden wurden auf der ganzen Welt verkauft. Auf Hex findet man noch immer Exemplare seiner Versuche, von denen einige den Handel nie erreicht haben, zum Beispiel in der Reihe neben den Grotten. Aber auch im Gemüsegarten und im sogenannten Freundschaftsgarten neben den Terrassen finden Sie einige seiner schönsten Kreationen wieder.
Gräfin Nanda d’Ursel hatte auch eine Schwäche für die kleinen Büschelrosen der Polyantha-Familie. Wir finden sie im Gemüsegarten wieder; in langen Reihen vor den Pfingstrosen und in den Beeten rund um das Wasserbecken. Die Polyantha-Rosen (oder Zwergrosen) sind Nachkommen aus komplexen Kreuzungen von Chinesischen Rosen mit Centifolien, Bourbon-Rosen oder alten Teehybriden.
Schließlich gibt es noch das Geschwind-Rosarium, das 2012 an der alten Zeder hinten an der Platanenallee angelegt wurde. Neben der bekannten ‘Zigeunerknabe’ umfasst die Sammlung noch einige Dutzend unbekannte und vergessene Rosenarten von Rudolf Geschwind aus dem frühen 20. Jahrhundert, zusammengetragen aus alten Gärten und den Rosarien West- und Osteuropas. Die Rosen von Geschwind zeichnen sich durch ihren natürlichen Charakter und ihre Widerstandsfähigkeit gegen alle Witterungsverhältnisse aus. Diese Rosensammlung ist als Genbank für zukünftige Züchter gedacht.

Hier ansehen: das alphabetische Verzeichnis der Rosen von Hex.
NEUE ROSENNAMEN, DIE AUF HEX VERWEISEN
Darauf ist Hex besonders stolz, dass im Juni 2013 anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Gartentage eine Reihe treuer Aussteller/Züchter neue Rosenselektionen und Züchtungen nach Hex benannt haben. Es sind:
– Rosa ‘Gardens of Hex’ – Lens Roses
– Rosa ‘Kasteel Hex’ – Peter Beales Roses
– Rosa ‘Rebel of Hex’ – De Bierkreek
– Rosa ‘Spirit of Hex’ – Vierländer Rosenhof
Im Jahr 2016 wurde eine neue Rose nach Gräfin Stéphanie d’Ursel getauft, der Gastgeberin und Beschützerin der historischen Gärten von Schloss Hex:
– Rosa ‘Gravin Stéphanie d’Ursel’ – Lens Roses

EMPFOHLENE WEBSITES
Peter Beales – Lens Roses – De Bierkreek – Vierländer Rosenhof






