Einjährige säen

Das Säen von Einjährigen geschieht am besten im Freiland. Dennoch gibt es nach wie vor wenige Amateure, die dies tatsächlich wagen … oder vom Ergebnis enttäuscht sind.

Lieve Adriaensens (Gärtnerei Silene) hörte sich die häufigsten Probleme beim Aussäen von Einjährigen im Freiland an und gibt Tipps, die Sie überzeugen werden, doch ans Werk zu gehen ohne Gewächshaus, Veranda oder warme Fensterbank – ohne die Fummelei mit und die Sorgen um junge vorgezogene Pflanzen.

‘Es war eine ganze Zeit lang zu trocken …’

Es kommt schon mal vor, dass es im Frühling einen ganzen Monat lang nicht regnet, und was machst du dann? Das Saatgut natürlich gießen, aber dann bist du verpflichtet, dies jeden Tag zu tun, denn gekeimter Samen (mit bloßem Auge unsichtbar), der kein Wasser mehr bekommt, wird unweigerlich vertrocknen. Die Lösung liegt auf der Hand: Gib kein Wasser und lass die Natur ihre Arbeit tun! Solange es nicht regnet, wird der Samen nicht keimen und ruhig abwarten, bis nach einem oder mehreren Regenschauern der Boden feucht genug ist, um doch noch in seinem eigenen Tempo zu keimen. Wenn es lange Zeit abnormal trocken ist und bleibt, bleibt nichts anderes übrig, als doch Wasser zu geben. Tu dies am besten nach Sonnenuntergang, damit die Feuchtigkeit eine Nacht lang in den Boden dringen kann. Wenn du früh morgens gießt, besteht das Risiko, dass es zur Hälfte verdunstet, wenn die Sonne aufgeht. Wenn du dies durchhältst, bis die ersten Keimlinge zum Vorschein kommen, ist die Gefahr gebannt und du kannst in längeren Zwischenräumen weitersprengen. Das Bedecken des Saatguts mit grobem Sand hilft auch, den Boden weniger austrocknen zu lassen.

Ich habe zwischen den Stauden und Sträuchern gesät …’

Im Frühling sind Stauden oder Sträucher noch klein und kahl, aber je weiter die Saison voranschreitet, desto schneller wachsen sie in Rekordzeit zu kräftigen Horsten samt Laub heran. So sorgen sie für viel Schatten für die teils gekeimten Einjährigen, die den Wettkampf um das Licht niemals gewinnen können. Es ist also logisch, dass man an kahlen Stellen unter einem Baum oder Strauch keine Einjährigen säen kann. Möchten Sie dennoch eine Staudenrabatte mit Einjährigen ergänzen, säen Sie diese draußen in Schalen oder Töpfen aus und pflanzen Sie sie aus, wenn sie groß genug sind, um die Konkurrenz aufzunehmen. Auf diese Weise können auch halbschattige Stellen verschönert werden. Wählen Sie Einjährige, die im Halbschatten wachsen wie Ageratum, Nicotiana, Salvia, Tagetes, …

‘Ich habe breitwürfig gesät….’

Diese Methode, wie der Bauer früher seine Felder einsäte, kann zwar auf großen Flächen angewendet werden. Leider wird nicht nur der Blumensamen aufgehen, sondern auch die Unkrautsamen. Diese liegen schon lange im Boden und warten auf den richtigen Moment zum Keimen, sie werden also immer einen Vorsprung haben. Vielleicht liegt man wegen eines Feldes voller ‘ungewünschter’ Kräuter mit dazwischen etwas blühenden Einjährigen nicht wach, aber war das die Absicht? Säen Sie deshalb in Reihen wie im Gemüsegarten, mit einem Zwischenraum von 25 bis 30 cm. Vermengen Sie den Samen mit Sand, um nicht zu dicht zu säen, und bedecken Sie ihn mit ½ cm gewaschenem Flusssand, nicht mit Garten- oder Blumenerde. Diese ‘Sandreihen’ sind nach ein paar Wochen noch immer sehr gut sichtbar, so dass es auf der Hand liegt, dass man das Unkraut dazwischen hacken oder jäten kann. Je mehr die Pflänzchen wachsen, desto mehr kann man sie ausdünnen, und im Laufe der Zeit sieht man von diesen Reihen überhaupt nichts mehr. Tipp: Anstatt den Samen mit Sand zu vermengen, kann man ihn auch mit einer Menge schnell keimender Radieschen mischen. Dadurch bleiben die Reihen erhalten, selbst wenn der Decksand nicht mehr sichtbar ist. Und das Ausdünnen ist dann wahrscheinlich auch nicht mehr nötig, wenn die Radieschen auf Ihrem Teller gelandet sind.

‘Ich denke, ich habe zu früh gesät…’

Prinzipiell kann man von März bis Ende Mai und sogar bis in den Juni hinein säen! Aber warten Sie, bis der Boden ausreichend erwärmt ist, und trotzen Sie im frühen Frühjahr nicht der Kälte, denn das hilft ohnehin nicht. Samen keimen erst, wenn die Bedingungen mit ausreichend Feuchtigkeit und einer angenehmen Temperatur, auch nachts, stimmen. Eigentlich läuft es darauf hinaus: Haben Sie selbst Lust, draußen zu sein, dann hat der Samen auch Lust dazu. Spätes Säen hat auch seine Vorteile: Selbst Arten, die sonst drinnen mühsam vorgezogen werden, können problemlos im Freien gesät werden. Cleome, Zinnia, Celosia und Ricinus sind kälteempfindliche Arten, die im späten Frühling problemlos im Freien keimen. Außerdem haben Einjährige, die im Freien gesät wurden, einen großen Vorteil gegenüber Gewächshauspflanzen: Schnecken lassen sie eher in Ruhe! Diese Einjährigen blühen dann zwar etwas später, halten aber viel länger durch. Liegt der Garten auf trockenem oder sandigem Boden, versuchen Sie, vor dem Winter (ab September) zu säen. Die Samen werden manchmal im Herbst keimen und den Winter überleben, wodurch die Pflanzen im Frühling stärker sind und früher blühen, als zusätzliches Extra für die Bienen. Leider gelingt das auf nassem oder schwerem Boden nicht.

‘Ich habe vielleicht zu tief gesät …’

Einige Samen kümmern sich nicht darum, dass sie mit einer Schicht Erde bedeckt werden, aber viele andere mögen das überhaupt nicht. Damit es für alle Arten gelingt, arbeiten Sie wie folgt: Den Boden selbstverständlich unkrautfrei und lose machen und dafür sorgen, dass die Oberschicht fein krümelig ist. Auf diese Schicht streuen Sie den Samen aus und danach drücken Sie ihn mit einem Brett oder mit einer Rasenwalze an. Auf diese Weise ist jedes Samenkorn gut von Erde umgeben und es gibt optimalen Kontakt zwischen den Samenkörnern und dem Boden. Wenn Sie danach eventuell noch eine Schicht groben Sand darüber streuen, wird er außerdem nicht so schnell austrocknen.

‘Meine Klatschmohnblumen kommen nicht mehr hoch…’

Eine immer wiederkehrende Frage: Wie kommt es, dass im Juni überall Mohnblumen üppig blühen, während sie in meinem Garten kaum aufgehen? Erstens verbleibt immer Dreiviertel des Mohnsamens im Boden, ohne zu keimen (vielleicht als eine Versicherung für die nächsten Jahre?). Des Weiteren ist es eine feststehende Tatsache, dass Papaver rhoeas, der Klatschmohn, gestörten Boden braucht, um keimen zu können. Daher die üppige Blüte zum Beispiel nach Abschluss von Straßenarbeiten. Um den Boden zu ‘stören’, muss jedes Jahr nach dem Winter einmal ordentlich mit einem Grubber oder einer Gartenkralle durch die Oberschicht gewühlt werden.

Hoffentlich helfen diese Tipps des erfahrenen Züchters, dich zu überzeugen, ohne Gewächshaus, Wintergarten oder warme Fensterbank in der Küche anzufangen! Das Herumfummeln an und die Sorgen um junge vorgezogene Pflanzen sind vollendete Vergangenheit. Säe einfach ins Freiland, mit einem überraschend natürlichen Effekt, und du wirst merken, dass es süchtig macht...

Text: Lieve Adriaensen
Mit Dank an das Eden Magazine

www.edenmagazine.be

 

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