Unsere Geschichte
Das Limburgische Haspengouw hat eine Landschaft mit sanft geschwungenen Hügeln, grünen Wiesen, fruchtbaren Feldern, Obstgärten und kleinen Wäldern. Der Lütticher Fürstbischof Karl von Velbrück wählte diese herrliche Landschaft aus, um dort ein irdisches Paradies zu erschaffen, ein ‘Arkadien’ nach dem Geschmack und der Philosophie des 18. Jahrhunderts. Der Hügel, der sich über dem Dorf erstreckt, wurde zu einer großen Terrasse eingeebnet, auf der ein Jagdpavillon gebaut wurde, wobei formelle Gärten oder Stilgärten angelegt wurden. Die übrigen Hügel bildeten ein geeignetes Gelände, um einen Landschaftspark zu erschaffen.

Ein fürstliches Anwesen enthüllt
Die Kunsthistorikerin Chris de Maegd verfasste als Erste eine eingehende Studie über die Entstehungsgeschichte von Hex, die Anlage und die Entwicklungen des Parks und der Gärten – von den Anfängen, durch blühende und bewegte Zeiten des 19. und 20. Jahrhunderts, bis zur Situation von heute. Der Bericht über ihre Suche nach der Geschichte des Anwesens wurde im Jahr 2007 in Buchform veröffentlicht, mit prächtigen originalen Druckgrafiken und Fotos illustriert und liest sich wie ein Roman.
VON VELBRÜCK BIS D’URSEL
Schloss Hex wurde von dem Fürstbischof von Lüttich, Franz Karl von Velbrück, in den Jahren zwischen 1770 und dem Jahr seines Todes 1784 erbaut. Nach seinem Tod ging das Anwesen durch Vererbung an die Familie de Marchant d’Ansembourg über. Als der letzte d’Ansembourg kinderlos starb, wurde das Anwesen von der Familie d’Ursel geerbt. Die heutigen Bewohner sind die zweite und dritte Generation der Familie d’Ursel auf Hex. Graf Ghislain und Gräfin Stéphanie d’Ursel verwalten das Anwesen noch immer im Geist des damaligen Bauherrn.
Ein aufgeklärter PrinzKarl von Velbrück wurde 1719 auf Schloss Garath bei Düsseldorf geboren. Seine Familie gehörte dem westfälischen Adel an und seine Eltern sahen für ihn eine geistliche Karriere vor. Nach seinen Studien der Rechtswissenschaften kam Velbrück als junger Kanoniker nach Lüttich und bekleidete recht schnell wichtige Ämter in der Verwaltung des Fürstentums. Im Jahr 1772 wurde er zum Fürstbischof gewählt. Seine Politik war die eines aufgeklärten Fürsten, der für die Ideen von Freiheit und Toleranz gewonnen war. Künste, Literatur, Wissenschaften und Bildung fanden in ihm einen großen Förderer.

DAS LANDGUT
Zentral auf dem Anwesen liegt das Schloss mit den ummauerten Gärten und dem Park. Westlich des Schlosses, im Tal von Broekom, liegt der Pachthof von Manshoven mit seinen reichen Wiesen und Auen, im Rücken gedeckt durch den prächtigen Manshovenwald. Östlich des Schlosses, mitten auf dem fruchtbaren Plateau, liegt der Hof Monnikkenhof mit seinen ausgedehnten Feldern. Ein dritter Hof liegt an der Hekslaan gegenüber dem Schlosse. Weiter befinden sich an der Hekslaan eine Anzahl prächtiger alter Häuser im ländlichen Stil des 19. Jahrhunderts, wie das Nonnenkloster und die alte Sägerei. Schließlich gehört auch die alte Wassermühle, tiefer im Dorf am Ufer der Herk gelegen, zu dem Anwesen.
Der Wanderweg
Entlang Monnikkenhof, Wassermühle und Manshoven.
Klicken Sie hier für die Karte der Wanderweg über 6, 9 oder 12 km.
Startpunkt am Restaurant und Bistro De Horne.
DAS SCHLOSS
Der Überlieferung nach soll das Schloss nach den Plänen des Lütticher Baumeisters Etienne Fayen erbaut worden sein. Für dessen Ausführung zog Velbrück die besten Handwerker aus Lüttich, Lothringen und Italien an. Das Schloss selbst ist ein U-förmiges Gebäude aus rotem Backstein mit Fensterrahmen aus Namurer Kalkstein. Es gibt ein Obergeschoss, das mit einem Mansarddach bedeckt ist. Das schlicht gehaltene Gebäude hat als einzige Verzierung einen dreieckigen Giebel mit der Jagdgöttin Diana im Relief.

DIE ZIERGÄRTEN
Velbrück ließ beim Bau des Schlosses um 1780 eine Reihe formaler Ziergärten in unmittelbarer Nähe seines Schlosses anlegen. An der Vorderseite, die damals die südöstliche Seite war, wurde die Einfahrt von Süden, wo Lüttich liegt, im französischen Stil mit Blumenbeeten zu beiden Seiten des Weges gestaltet. Auf der anderen Seite des Schlosses entstanden die ummauerten Parterre-Gärten und daneben, am Hang gegenüber dem Dorf, die tiefer gelegenen Nutzgärten. Über die Entwicklung des Zustands während der nächsten Generation ist wenig bekannt. Im Jahr 1871 gestaltete der Garten- und Landschaftsarchitekt Louis Fuchs den formalen Garten im Ehrenhof neu. Fuchs war auch für die Anlage des englischen Landschaftsparks mit den großen Sichtachsen verantwortlich. Der formale Garten, der zuvor in verschiedenen Terrassen angelegt und verziert war mit Broderie-Ornamenten, Beete mit Blumen, exotischen Blickfängen und zahlreichen Vasen, Bänken und Rosenbögen wurde eingeebnet und stark vereinfacht. Im Jahr 1913 erhielt der Brüsseler Gartenarchitekt Jules Janlet vom damaligen Grafen d’Ansembourg den Auftrag, sowohl den alten formalen Garten, den Fürstengarten, als auch den Vorgarten neu zu gestalten. Er teilte den formalen Garten neu ein, wobei er die bestehende Längs- und Querachse berücksichtigte. Die Aufmerksamkeit für gerade Linien, ausgewogene Proportionen und die Verwendung geometrischer Figuren wie des Halbogens sind für den Stil von Janlet typisch. Von ihm stammen auch die drei breiten Terrassen an der südöstlichen Seite des Schlosses, -damals mit blumigen Blumenbeeten versehen-, und die geometrische Aufteilung des Fürstenhofs, wie wir sie heute kennen. Die Terrassen wurden 1992 nach einer Zeichnung des Antwerpener Gartenarchitekten Jaques Wirtz erneut umgestaltet. Die Blumenbeete mit Einjährigen wichen einem passend klaren Entwurf von Rasenflächen, geschnittenen Eibenblöcken und Flächen aus Dolomitsplitt.

DIE NUTZGÄRTEN
Die ursprüngliche terrassierte Anlage der Gärten von Schloss Hex ist am besten in den Nutzgärten erhalten geblieben. Der Gemüsegarten ist vollständig ummauert und liegt, niedriger als das Schloss und die formalen Gärten, auf parallelen Ebenen am Hang. Im Jahr 1774 befand sich hier noch eine Reihe von Dorfhäusern neben der Hekslaan, darunter auch das Pfarrhaus. Die Häuser wurden abgerissen und das Pfarrhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite wieder aufgebaut. Die Arbeiten waren um das Jahr 1790 abgeschlossen. Seitdem hat sich an der Aufteilung der Nutzgärten wenig geändert. Die hohe Stützmauer an der Nordostseite ist 250 Meter lang und wird noch immer als Obstmauer genutzt. Am Fuß der Mauer befindet sich das Randbeet, der sogenannte ‘Kragen’ des Gartens. Die zentrale Ebene wird von den Beeten mit Gemüse und Blumen eingenommen. Die unterste Ebene zur Straßenseite hin ist wie früher ein Obstgarten, in dem auch die Schafe weiden. Dort findet man auch den alten Brunnen, der den Gemüsegarten mit Wasser versorgen musste. Im nordwestlichen Teil des Gartens befinden sich die Gewächshäuser und der Pflanzgarten. Der Gemüsekeller aus dem 18. Jahrhundert verbirgt sich hinter einer kleinen Tür in der Stützmauer, im östlichen Teil des Gartens, versteckt zwischen den Kletterrosen.
DIE VERLORENEN ENGLISCHEN GÄRTEN
In den Jahren vor seinem Tod im Jahr 1784 ließ Fürstbischof Velbrück außerhalb der Mauern der formalen Gärten einen Gartenkomplex nach einem völlig neuen Konzept anlegen. Die sogenannten englischen Gärten waren gerade erst in Mode und Velbrück gehörte zu den Ersten, die nach den neuen Prinzipien dieser ‘natürlichen’ oder unregelmäßigen Gärten arbeiteten. Das Konzept seines damaligen Englischen Hofs ist noch weit entfernt von dem, was wir heute als den englischen romantischen Gartenstil kennen, aber der Stilbruch mit der französisch inspirierten Rokokotradition war bedeutsam. Die Gärten wurden in einem großen Rechteck angelegt, das zwischen dem Französischen Garten und dem Zavelberg lag und von einer Hecke umgeben war. Schlängelnde Wege führten den Besucher durch Durchgänge in den Baumgruppen von einem Gartenzimmer zum anderen. Die Rasenkanten waren übertrieben geschwungen und hier und da standen Solitärbäume, niedrige Gehölzgruppen (Gehölzgruppen) mit blühenden Pflanzen und Parkbauwerken. Von diesem Englischen Hof ist nicht viel übrig geblieben. Mehr noch, wir wissen nicht einmal, inwieweit die ursprünglichen Pläne ausgeführt wurden. Aber der Ton war angegeben; der Englische Hof legte eine vorsichtige Basis für den großen Landschaftspark, wie wir ihn heute kennen.

DER LANDSCHAFTSPARK
Der nach Brüssel ausgewanderte deutsche Landschaftsgestalter Louis Fuchs erhielt im Jahr 1871 vom damaligen Schlossherrn Alfred I. d’Ansembourg den Auftrag, den Park und die Umgebung des Schlosses im landschaftlichen Stil jener Zeit neu zu gestalten. In den zehn darauffolgenden Jahren wurden die alten Kiefernwälder gefällt, das Relief angepasst, neue Alleen gepflanzt und große Rasenflächen angelegt. Heutzutage ist das langgestreckte Tal von Fuchs mit seinem leicht wellenförmigen Charakter und seinen ausgewählten Solitären und Baumgruppen eine der Hauptattraktionen des Anwesens und ein Schulbeispiel eines Landschaftsparks, zudem fast unversehrt erhalten.

